Ironman Mallorca 70.3

Vor einer Woche zog es mich zum ersten Mal ins Ausland für einen Triathlon. Diesmal aber nicht irgendeinen, sondern den Ironman 70.3 auf Mallorca :)

Palma

Verbunden mit einem kleinen Urlaub – als Vorbereitung und Entspannung getarnt :P – ging es bereits 3 Tage vorher zum Flughafen und ab über die Alpen ins vermeintlich warme und sonnige Spanien. Im Gegensatz zu München, war es allerdings nicht richtig sonnig und mit knapp unter 20°C würde ich es auch nicht warm nennen. Nun gut, Hitze im Wettkampf finde ich eh nicht so geil, da kamen mir die Wolken ganz gelegen.

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Checkin Alcudia

DSC_1019Geplant war der Start am Samstag Morgen und damit der Bike-Checkin bereits am Vortag. Also bin ich am Freitag schon mal quer über die Insel gefahren. In Alcudia angekommen gab es dann die erste kleine Überraschung: Vom Schwimmausstieg bis zur Wechselzone waren es knapp 500m und dann noch mal 500m bis ans andere Ende, insgesamt waren also gute 1,5km Barfußlaufen angesagt.
Auf der parallel stattfindende Messe gab es leider keine besondere Schnäppchen – schade, ich suche immer noch Felgen für mein Rad ;)
Nach der Wettkampfbesprechung, die in 3 Sprachen gehalten wurde (!), ging es wieder zurück nach Palma.

Vor dem Start

Als der Wecker um 5h morgens klingelte, war ich direkt hellwach. Die Wechselzone war nur von 6 – 7:30h geöffnet und ich musste das Rad noch aufpumpen, ein letztes Mal checken und v.a. meine Schuhe und den Helm in die Beutel tun. Denn bei 14°C Außentemperatur goß es wie aus Eimern und der Aussichten waren nicht besser. Um kurz vor 7 endlich in Alcudia angekommen, waren die Straßen bereits voll mit Triathleten aller Art. Vorfreude und Anspannung lagen in der Luft, da konnte auch das bescheidene Wetter nichts gegen tun :P

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Warmup

Witterungsbedingt umgeplant habe ich mich dann bereits im Auto in Schale geworfen. Barfuß und bepackt mit den letzten Dingen für die Wechselzone ging es dann los. Das Rad war schnell präpariert und die Beutel hingen an den vorgesehenen Haken. Also ab zum Strand: Einschwimmen & -Laufen!
Das 18°C warme Hafenbecken war eine willkommene Möglichkeit der Kälte zu entkommen. Um 7:45h mussten wir allerdings schon aus dem Wasser und in die Startaufstellung. Hier kam dann auch die erste Neuerung des Reglements zum Tragen: der Rolling-Start. Anstelle eine Startschusses und anschließendem ins Wasser stürmen werden seit dieser Saison alle 5 Sekunden 5 Teilnehmer auf die Reise geschickt. Hört sich erstmal gut an und verhindert auch die Waschmaschine, die entsteht, wenn mehrere hundert Leute gleichzeitig ins Wasser sprinten und versuchen los zu schwimmen. Ein kleiner Haken: Es dauert ewig. Genauer gesagt habe ich bis 8:50h am Strand gestanden und gefroren, bis ich endlich an die Reihe kam. Das Aufwärmen hätte ich mir definitiv sparen können…

Schwimmen

Im Wasser lief es wie geplant – mal abgesehen von der Qualle die mich nach ~100m am Fuß erwischt hat. Schwimmen ist und bleibt zwar meine schwächste Disziplin, mit einer 42:14min (AK Platz 293) inkl. des Sprints ins und aus dem Wasser war ich allerdings zufrieden und kam gut aufgewärmt aber nicht erschöpft aus dem Meer. Letzteres wäre auch Wahnsinn, schließlich ging es jetzt erst los! Auf den 500m zur Wechsel hatte ich den Neo bereits halb aus und festgestellt, dass es immer noch regnete. Die Pfützen waren riesig und die halbe Wechselzone stand unter Wasser. Irgendwie habe ich es trotz eisiger Finger in meine (noch) trockenen Socken geschafft und lief zum Rad. Nach den ersten Metern außerhalb des Wechselzelts waren die Socken allerdings schon durch und von oben kam reichlich Nachschub. Hier wurde es dann klar: Sonne würde ich auf den kommenden 90km nicht sehen.

Radfahren

RadrundeDie Radrunde verlief bis KM35 ziemlich gut. Es ging zwar ab KM22 gut bergauf, das liegt mir allerdings besser als bergab :) Ab KM35 kam dann genau das: Die vorher gewonnenen Höhenmeter ging es auf 4m breiten und halb unter Wasser stehenden Serpentinstraßen bergab. Bereits in den ersten Spitzkehren merkte ich, dass meine Vorderradbremse nicht so richtig funktionierte – später stellte sich heraus, dass die Bremse einfach offen war, ich hatte wohl vergessen sie nach dem Zusammenbau des Rads zu schließen. Das machte einen Zeitgewinn natürlich unmöglich und so rollte ich etwas nervös die nächsten 10km runter in die Dörfer. Unten angekommen war ich mehr Eiszapfen als sonstwas: Es goß bei 12°C immer noch, ich hatte nur meinen dünnen Rennanzug an und hatte die ganze Abfahrt quasi nicht getreten. Jetzt galt also vor allem eins: Irgendwie warm werden. Nach weiteren 5-6km, meinen bisher härtesten auf dem Rad und auch mental anstrengend, hatte ich dann endlich wieder eine brauchbare Grundtemperatur erreicht und konnte wieder ernsthaft in die Pedale treten und versuchen ein wenig Zeit gut zu machen. Petrus hingegen machte sich weiterhin mächtig unbeliebt und spickte den konstanten Dauerregen auch noch mit einigen Sinnfluteinlagen. Am Ende der 90km standen dann 3:18:50h auf der Uhr (AK Platz 237 => 56 Plätze aufgeholt!). Normalerweise hätte ich mich darüber geärgert, allerdings nicht bei diesen Bedingungen. Zu glücklich war ich wieder in der Wechselzone zu sein :)

Laufen

Laufrunde Endlich in den Laufschuhen stehend, verließ ich das Wechselzelt nach etwas über 4 Stunden und fand nach 100m zielsicher eine knöcheltiefe Pfütze, die den Traum von ein paar Kilometern in trockenen Socken zunichte machte. Man gewöhnt sich dran! Den gerade begonnenen Halbmarathon ging ich mit einer 4:30er Pace an, musste aber 6km feststellen, dass meine Beine das nicht bis zum Ziel aushalten würden. Also runter vom Gas und der mental schwierigste Teil des Rennens begann… Einen 5er Pace HM laufe ich sonst zur Regeneration und noch im Februar bin ich im Wettkampf mit 4er Pace unterwegs gewesen. Gut, da bin ich vorher weder geschwommen, noch habe ich Zeit auf dem Drahtesel verbracht, aber mit 4:30 hatte ich schon geplant. All die Gedanken helfen natürlich nichts und eines habe ich in den letzten Jahren beim Triathlon gelernt: Der Plan ist vorbei, wenn der Startschuss fällt und (schnell) durch kommen nur wer, improvisiert und sich auf die Umstände anpassen kann. Nach schier endlosen 2 Runden über die Promenade und Einkaufsmeile von Alcudia, vibrierte meine Uhr und ich wusste was jetzt kam: Durchladen, Zähne zusammenbeißen, rauf aufs Gas und den Schmerz verdrängen. Einige Male habe ich das bereits durchgemacht: Brennende und gröhlende Oberschenkel, Laktat ohne Ende und es gibt nur eine Linderung. Die liegt allerdings einige Kilometer voraus, denn Aufgeben ist keine Option! So habe ich meine schmerzenden Beine noch mal auf eine 4:45er Pace gehievt und die letzten 500m auch noch die ursprünglich angepeilte 4:20 auspacken können. Nach 1:45:28h (AK Platz 205 => 32 Plätze aufgeholt!) kam dann endlich die Erlösung :D

Fazit

Insgesamt war ich mit den beiden Wechseln (6:31min & 6:02min) 5:59:05h unterwegs und habe mein Ziel von sub 6h damit erreicht (AK Platz 205, Garmin Connect) :mrgreen:
Es war eines der geilsten Rennen die ich bisher machen durfte und ich bin auch eine Woche danach vor allem eins: Dankbar für diese geniale Erfahrung. Noch nie musste ich mich im Wettkampf durch derartige Tiefen kämpfen und habe soviel dabei gelernt. Und eins ist sicher: I’ll be back – in Erlangen bin ich schon gemeldet :P

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Das Wasser und der Eisenmann – Teil 1

IronmanGott was fehlt mir das Wasser!
Ich hätte nie gedacht das mal zu sagen, aber mir fehlt das Schwimmen! An Land bin ich mittlerweile wieder ganz gut unterwegs. Auf dem Rad fühle ich mich wieder sicher und nach 2 Wochen hat auch endlich das leichte Pochern der Blutergüsse am Auge aufgehört, wenn Blutdruck und Puls steigen. Nächste Woche werde ich also mal die Trainingspläne für die kommenden Ziele aufstellen und dann auch endlich wieder die Schwimmbrille aufsetzen ;)
Zu den Zielen ist jetzt übrigens auch ein weiteres gekommen: Im Mai 2016 gehe ich auf Mallorca beim Thomas Cook Ironman 70.3 an den Start. Dort werde ich mal ausprobieren, ob ich zum Eisenmann tauge :mrgreen:

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